Ausflug der AH-Mannschaft, 14.-16.09.2018

Ausflug der AH-Mannschaft des FC St. Georgen vom 14.09. – 16.09.2018 in die mittelalterliche Stadt Oberwesel am Rhein und zu „Rhein in Flammen“ in St. Goar.

Die 7 Jungfrauen und die 25 Beherrscher der Tanzfläche

Am 14. September war es nach 2 Jahren wieder einmal so weit. Die Mannschaft der Alten Herren hatte sich zum Ausflug gerüstet. Die Reise sollte uns nach Oberwesel am Rhein führen – einer mittelalterlichen Stadt in Rheinland-Pfalz mit ca. 2.500 Einwohnern.

Dank unserer beiden „Food-Coaches“ Benedikt Mutter und Hansi Laug konnte sich der Tross in Bewegung setzen und sicher sein, unterwegs nicht zu verdursten oder zu verhungern. Da es sich bei der AH quasi um hochgezüchtete Rennpferde handelt, wurde vorher natürlich bei der Auswahl der Verpflegung wieder einmal streng auf die Punkte „gesund, vegan und alkoholfrei“ geachtet. Nachdem zur Freude aller definitiv geklärt war, dass wir KEINEN der vorgenannten Punkte erfüllen würden, konnte es erleichtert losgehen.

Die Vorfreude auf solche Unternehmungen trägt bisweilen allerdings auch recht seltsame Früchte: so erschien ein AH-Kollege (Name ist der Redaktion bekannt) z. B. komplett OHNE Bargeld und in Deutschland zulässige Zahlungsmittel zum Treffpunkt, da ihm die Aussicht auf Wein, Musik, Feuerwerk und die schönen Frauen des Mittelrheins den Geist bereits im Vorfeld der Reise entschweben ließ. Allerdings konnte nach kurzer Bonitätsprüfung diese Situation vorbildlich gelöst werden innerhalb des Teams durch die spontane Vergabe von Mikro-Krediten mit sehr kurzer Laufzeit.

Als der Zug nach einer entspannten Fahrt am Freitag um 12:00 Uhr in Oberwesel einrollte, wurde die Mannschaft am Bahnhof in Empfang genommen von Berthold Kuhn, der die freitägige Stadtführung in Oberwesel durchführen würde, sowie eine Mittelrheinwanderung am darauffolgenden Samstag.

Nach kurzem Marsch durch die Stadt erreichte die Mannschaft das Hotel, wo sie sich zunächst bei gerstenhaltigen und –freien Kaltgetränken erholen und mental auf die anschließende „Tour de Wesel“ durch die Stadt vorbereiten konnte. Das Hotel hatte insofern eine strategisch günstige Lage, als dass sich gegenüber direkt eine Apotheke mit angeschlossenem Bierstand und Sitzbänken befand, des Weiteren der Eingang zum Weinfest quasi mit dem Ausgang des Hotels zusammenfiel. Kurze Wege waren hier also angesagt, um in medizinischen Notfallsituationen wie „Über- Zucker“ oder „Unter-Alkohol“ schnell reagieren zu können.

Um 14 Uhr begann die Stadtführung. Die Stadt wurde bereits im Jahre 1237 Freie Reichsstadt und liegt unten im Tal, direkt am Rheinlauf. Sie ist umgeben von circa 300 Meter hohen, durchlaufenden Bergzügen, die alle meist laub-bewaldet sind und oder mit Weinbau kultiviert werden. Zu dieser Jahreszeit bot sich uns also eine noch herrlich begrünte, leicht ins herbstliche färbende Landschaft dar.

Der Weg führte durch die schweren mittelalterlichen Bruchschiefer-Mauern der Stadt Oberwesel hindurch, aber auch darüber hinweg, da ein großer Teil der Mauern und Türme restauriert und frei begehbar ist. Neben den geschichtlichen Hintergründen und Eindrücken begeisterten die verschiedenen Aussichten über Stadt, Landschaft und auf den Rhein. Der Weg führte schließlich entlang der oberen Stadtmauer vorbei an einer der zwei Kirchen (St. Martin) bis hin zum alten Minoriten-Kloster und in dessen Sakristei. Als die Führung gegen 18:00 Uhr endete, trafen auch noch unsere berufsbedingten Nachzügler der AH ein.

Da der Weinmarkt in Oberwesel traditionell um 18:00 Uhr durch den Bürgermeister feierlich eröffnet wird, konnte es nun auch losgehen: nachdem sich alle frisch gemacht hatten und gestärkt waren, wurde der Weinmarkt erkundet. Da der

Weinmarkt, vergleichbar ist mit dem Weinfest in St. Georgen, bestehend aus vielen verschiedenen Ständen von Winzern aus dem Ort und der näheren Umgebung sowie aus einigen Essens-Ständen, fanden sich alle schnell zurecht und fühlten sich wohl.

Die zahlreichen Weine der Region und allerhand Köstlichkeiten wurden probiert und die Gruppe löste sich immer mal wieder in kleinere Teile auf und fand sich zusammen, bis schließlich in größerer Zahl gegen 23:30 Uhr die Tanzfläche eingenommen wurde, auf der eine Musikband spielte. Die Mannschaft gab diese Position bis zum Ende der Live-Performance nicht mehr aus der Hand, unterbrochen lediglich vom Nachfüllen der Weingläser oder der Entsendung einer offiziellen Abordnung zum Bierstand an unserer „Stamm-Apotheke“. Jedenfalls wurde getanzt, gesungen, gelacht, gerockt und Zugaben gefordert, bis die Stimmen versagten und die Musikbank gegen 01:30 Uhr aufhören musste zu spielen – Wir hätten natürlich noch deutlich länger gekonnt.

Der Samstag kam dann auch – für einige viel zu früh. Aber bei strahlendem Sonnenschein und frühlingshaften 22 Grad hielt es letztlich doch keinen mehr in Bett und Hotel. Da die heutige Wanderung, die uns über eine Strecke von ca. 10-12 Kilometer nach St. Goar am Rhein führen sollte, erst um 12 Uhr beginnen würde, zog es nach dem Frühstück viele nach draußen, um sich auf den Bänken vor „unserer Apotheke“ zu sonnen. Doch wir hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Und zwar sprichwörtlich den Wirt vom Bierstand. Dieser war eigentlich nur zum Befüllen der Vorräte für den kommenden zweiten Abend des Weinmarktes zu seinem Stand an der Apotheke gekommen. Eigentlich kann man im Nachhinein auch sagen: Der Wirt hatte die Rechnung ohne UNS gemacht. Denn wie die Dinge nun einmal laufen mussten, fragten wir nur spaßeshalber an, ob denn schon geöffnet sei – das Ende vom Lied war, dass er seinen mitgebrachten Helfer gleich dort ließ, um für uns zu zapfen, und alleine wieder von Dannen zog. Das war dann auch die früheste Eröffnung, die der Weinmarkt in seiner langen Geschichte je erfahren hatte – und zwar mit Bier. Aber dazu mussten erst einige unerschrockene Männer vom FC St. Georgen anreisen, die sich nicht von klassischen Denkmustern und Schubladendenken beeindrucken ließen.

12 Uhr kam dann auch schneller als gedacht und es ging los. Als erstes erklommen wir den steilen geteerten und circa 2 kilometerlangen Aufstieg durch die Steillagen- Weinberge der linken Seite des Mittelrhein-Tals hinauf zum Aussichtspunkt „Günderode-Haus“. An diesem besonderen Ort drehte der Film-Regisseur Edgar Reitz den dritten Teil seiner berühmten Familien-Saga „Heimat“.

Der Platz bietet eine überwältigende Aussicht auf das Tal, den Rhein und die Stadt Oberwesel. Das Filmhaus wurde erhalten und dient heute als Museum, Ausflugs- und Gaststätte mit einer kleinen aber qualitativ hochwertigen Bewirtung. Nach einer ersten Rast und kleinen Stärkung hier, nahmen wir den Weg wieder auf entlang des Höhenzuges Richtung Urbar. Nun verlief der unbefestigte Weg etwas gemächlicher und nicht mehr ganz so steil vorbei an den „Sieben Jungfrauen“ (Felsformation im Rhein). Gegen 15 Uhr erreichten wir dann das Zwischenziel, die Gaststätte „Maria Ruh“, direkt gegenüber der sagenumwobenen „Loreley“. Hier kehrten wir ein und konnten uns von den mittlerweile fast 8 Kilometern auf und ab erholen bei gutem Essen und einer tollen Aussicht auf die Loreley und das Rheintal. Auch hier machte sich das harte Mittwochs-Training der letzten Jahre mit anschließender Einkehr bei Fortunato wieder bezahlt: die Regenerationsphase konnte inklusive Essen auf knapp unter 2 Stunden gesenkt werden. Rekordverdächtig.

Dann ging es auf die letzte Etappe nach St. Goar. Wir erreichten unser Ziel nach einer weiteren Wanderung über Feld- und Waldwege mit einem spontanen aber sehr gemütlichen Zwischenstopp in Biebernheim und einem längeren Abstieg gegen 19 Uhr. So blieb noch genügend Zeit, die Stadt und auch das dort stattfindende Fest etwas zu erkunden.

Als die Dunkelheit dann langsam aufzog unten am Rhein, nahm die Spannung zu. Die Lichter gingen aus, in der Mitte des Rheins hatten sich circa 50 vollbesetzte Ausflugsschiffe und Boote verschiedenster Größen versammelt und zwischen den Burgen Maus und Rheinfels geankert. An den Ufern hatten sich rund 50.000 Menschen versammelt für das Spektakel. Aufgrund der hohen Trockenheit musste in diesem Jahr darauf verzichtet werden von den 2 umliegenden Burgen Feuerwerk abzuschießen, da die Brandgefahr sehr hoch war. Das wiederum bedeutete, dass das gesamte Feuerwerk vom „Kanonenboot“, einer Barkasse mitten im Rhein, abgefeuert werden würde. Für alle, die dort noch nicht waren: Der Rhein ist an dieser Stelle ca. 350 Meter breit, was bedeutet, dass das Feuerwerk sprichwörtlich über dem Kopf und gefühlt sehr nahe explodiert, wenn man vorne am Fluss steht. Durch die Enge des Tals an dieser Stelle in Kombination mit den angrenzenden Tälern und der Bebauung im Tal ergibt sich eine einzigartige, brachiale Akustik.

Dann war es soweit und die St. Goarer machten dem Namen „Rhein in Flammen“ alle Ehre: Durchsetzt mit schönen kleineren Zwischeneinlagen feuerten sie ab 21:00 Uhr für ca. 30 Minuten aus allen Rohren. So, als sei Feuerwerk ab morgen verboten. Der Himmel war durchsetzt mit farbenprächtigen Explosionen. Das knapp 10-minütige Finale wird den ein oder anderen vielleicht überrascht haben ob der Nähe, Lautstärke und Urgewalt, die die Kleidung am Leib erzittern lässt und zuweilen eher an militärischen Granatbeschuss erinnert als eine touristische Freizeitveranstaltung. Aber man sollte es unbedingt erlebt haben.

Und so plötzlich wie es begann, endete alles.

Die logistische Herausforderung der Rückreise mit der Bahn stand nun bevor ins nur 6 km entfernte Oberwesel und zum dortigen Weinfest. Die Bahn setzt traditionell immer nur EINEN Zug ein für die Rückfahrt mit zu wenigen Wagons. Was dazu führt, dass der friedliche kleine Bahnhof in St. Goar einmal im Jahr von hunderten Menschen gestürmt wird, die alle noch in den Zug wollen. So sahen wir uns dann konfrontiert mit einer bisweilen sehr unterhaltsamen und lustigen Polizei- Absperrung rund um den Bahnhof und nur etappenweisem Zugang.

Letztlich klappte alles knapp aber gut und wir fanden uns gegen 22:30 Uhr wieder auf dem Weinfest in Oberwesel ein. Hier wiederholte sich das teamorientierte Feiern vom Vortag. Wir feierten mit den Oberweselern und deren Gästen noch eine tolle Nacht, bei der erneut die Tanzfläche geentert und wortwörtlich beherrscht wurde von unserer Mannschaft, um zu singen, tanzen, lachen und gute Laune bis spät in die Nacht zu leben und zu erleben. Auch dieses Mal musste die Band ordnungsamtsbedingt irgendwann die Segel streichen – überflüssig zu erwähnen: wir hätten auch dieses Mal noch länger gekonnt.

Auch der schönste Ausflug neigt sich leider dem Ende zu. Am Sonntagmorgen war es dann soweit. Aufstehen, packen, frühstücken und zum Zug gehen. Am Bahnhof angekommen, gab es noch eine freundschaftlich-familiäre Verabschiedung durch unseren Reiseleiter und – begleiter Berthold Kuhn und seine Frau Rosa-Maria.

Die Stimmung war bestens als der Zug einfuhr und wir wiederum bei schönstem Wetter unsere Heimfahrt nach Freiburg antraten. Als wir Freiburg dann erreichten, waren zwar alle noch etwas müde vom Feiern – … aber wir hätten noch länger gekonnt.

Auf www.oberwesel.de und www.st-goar.de/de/rhein-in-flammen/ könnt ihr weitere Eindrücke und wissenswertes erfahren oder Teile der Reise noch einmal aufleben lassen

Liebe AH-Kameraden, als gebürtiger Oberweseler und zugezogener St. Georgener kicke ich nun seit über 7 Jahren mit euch. Es war mir eine besondere Ehre und Freude, euch zusammen mit meinem Vater meine Heimat zeigen zu dürfen und dort mit euch zu feiern. Mir bedeutet es sehr viel, Teil unserer AH-Gemeinschaft und des Vereins zu sein. Vielen Dank an euch alle für die letzten Jahre hier. Ich freue mich jeden immer wieder jeden Mittwoch auf euch. Bis Mittwoch.

Euer Marco (Kuhn)

2018-11-17T15:44:48+00:0016.11.2018|Alte Herren|